Auf der Suche nach der Tonart

Um das erste Violinkonzert op. 35 von Karol Szymanowski zu bewerten, braucht man zuerst einmal die Entstehungsgeschichte, die im August 1916 in Zarudzie begann. Dort komponierte Szymanowski das Solokonzert auf dem Hof seines Freundes Jozef Jaroszynski, auf dem sich der herausragende Violinist Pawel Kochanski ebenfalls befand und ihm entscheidend half.

Es ist beeindruckend, mit welcher Raffinesse und vielseitigen Violintechniken das Werk die Zuhörer der damaligen und unserer Zeit begeistert. Dieses eigentlich einsätzige Werk zählt zu den spät romantischen Stücken, wobei man es als eines der ersten modernen Violinkonzerte bezeichnen kann.

So viel zu den Fakten. Aber eins fällt auf: Wo bleibt die Tonart? Weder der nicht vorhandene letzte Orchesterakkord mag uns den verraten, noch Szymanowski selbst. Sobald man der Überzeugung ist, eine Ahnung zu haben, wird diese bald über Bord geworfen und durch eine andere ersetzt. Doch festlegen mag sich keiner. Aber wer braucht schon trockene Theorie, wenn er nicht Interpretieren und Fühlen kann; in diesem Sinne folgen einige Höreindrücke:

Höreindrücke

„Diese sehr frei geschriebene Arbeit bietet eine ungewöhnliche Vielfalt, mit unvorhersehbaren, reich und lebendig gefüllten Kombinationen, die mich sehr interessierten, genauso wie die Rolle des Orchesters. Der Geige wurde die subtile Aufgabe gegeben die Flut der Schallwellen als lyrisches Lied zu verkleiden. In der Melodie, die von der Harfe umgeben wird, kann man einen heftigen Streit der Klarinetten und Oboen entdecken und man könnte sagen, dass sich diese Landschaft von einem Augenblick zum nächsten ändert.“

„Das keinem erkennbaren Modell zuzuordnende Werk des polnischen Komponisten verläuft in seiner expressiven Motivik verschachtelt und stellt einen Wettkampf einzelner Phrasen dar. Auf dem Fundament prachtvoller Orchesterstimmen, erstrahlt die Solovioline mit raffiniertesten Techniken und einem beeindruckenden Repertoire. Insgesamt ist es ein in sich stimmiges, nicht eintöniges und außergewöhnliches Werk mit einer emanzipierten Solostimme, die sich einerseits schafft in das Orchester einzuordnen und andererseits deutlich abhebt.“

„Ein interessantes Violinkonzert. Es ist nichts klar identifizierbar, man erkennt beim Hören nicht sofort ein Motiv oder andere Strukturen. Bis zu den ersten 10 Sekunden scheint das Violinkonzert noch normal zu sein, doch dann beginnt die Violine zu spielen und sie spielt jedes Mal einen anderen Ton als man ihn erwartet. Dazu kommt noch, dass es fast durchgehend sehr hohe Töne sind, die man sonst nicht so häufig hört, was das Stück wieder so merkwürdig macht. Für den ein oder anderen, der sich auf die Klänge konzentriert, kann es dann im Nachhinein aber auch schön klingen.

Quellen: http://www.culture.pl/web/english/resources-music-full-page/-/eo_event_asset_publisher/eAN5/content/karol-szymanowski-violin-concerto-no-1-op-35

http://www.universaledition.com/Karol-Szymanowski/komponisten-und-werke/komponist/713/werk/71/werk_einfuehrung

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s