Der französische Komponist des zwanzigsten Jahrhundert: Olivier Messiaen

Hallo liebe Leser,

ich werde euch nun etwas über mich erzählen.

Mein Name ist Olivier Eugène Prosper Charles Messiaen und ich bin am 10. Dezember 1908 in Avignon, eine kleine Provence im Süden von Frankreich, geboren. Mein Vater, Messiaen als junger KnabeEnglischprofessor, der auch später die Werke von William Shakespeare übersetzte, und besonders meine Mutter Cecile Sauvage, von Beruf war sie Dichterin, prägten mich für mein Leben.

Mein Vater weckte in mir als Jugendlicher das Interesse an Shakespeares Werken. Besonders faszinierte mich die übermäßige Leidenschaft die man für einen Menschen aufbringen kann. Aber nicht nur die Leidenschaft, sondern auch die märchenhafte Welt der Hexen und Fabelwesen machten die Werke interessant.

„Der größte Eindruck, den ich empfing, kam von meiner Mutter […]; während dieser ganzen Zeit […] hat mich meine Mutter in einem Klima von Poesie und Märchen erzogen, das, unabhängig von Berufung zum Musiker, der Ursprung von all dem war, was ich später gemacht habe.“1

1912 zogen wir nach Ambert, 1914 anschließend nach Grenoble um. Grenoble liegt im Südosten von Frankreich und ist die Hauptstadt des französischen Départements Isère. Besonders dieser Ort gab mir ein intensives Wohlsein. Die grandiose Bergwelt faszinierte mich immer wieder aufs Neue.  In dieser Zeit jedoch verließen uns mein Vater und mein Großvater, weil diese in den Krieg ziehen mussten.

Mit acht Jahren fing ich an mich intensiver für Musik, und besonders für sehr ungewöhnliche Musik, zu interessieren. Meine Mutter schickte mich deshalb zum Klavierunterricht, wo ich dann ziemlich früh anfing die Werke von Ravels und Debussys zu spielen. Auch andere Künstler wie Mozart und Gluck interessierten mich ziemlich früh. Der katholische Glauben spielte in meinem Leben, auch für meine spätere Musik, eine ziemlich große Rolle.

Nachdem mein Vater wieder zurückkam, zogen wir erneut um, und zwar nach Nantes. Dort sollte ich natürlich weiter Klavierunterricht bekommen. Außerdem erhielt ich Harmonieunterricht von Jehan de Gibon. Er führte mich nochmals zu Debussy und ich machte Bekanntschaft mit der Oper Pelléas et Mélisande. Dieses Stück gab mir meine Offenbarung und wirkte auf mich wie kein anderes zuvor.

Im Herbst 1919 zogen wir wieder einmal um, da mein Vater an die Pariser Lycée Charlemagne berufen wurde. Dort fing ich eine musikalische Ausbildung an dem Conservatoire de Paris an. Ich mochte die Schulzeit und empfand diese Zeit nie als eine Art Zwang.

„In der Zeit, als mein Vater zum Professor in Paris ernannt wurde, hatte ich die große Freude, die Monumente, die Museen und die Kirchen zu besuchen; meine ersten Besuche der Notre-Dame, (…) haben ohne Zweifel einen Einfluss auf meine Laufbahn ausgeübt. Ich bin noch immer geblendet von den wunderbaren Farben dieser Fenster des Mittelalters (…) das ist die Natur selbst in ihrer außerordentlichsten Äußerung.“2

In der Zeit am Conservatoire erhielt ich einige Preise. Ich belegte zum Beispiel im Jahre 1924 den zweiten Platz für meine Studie in Harmonielehre, ein anderen Platz, diesmal jedoch belegte ich den ersten, bekam ich 1926 in Kontrapunkt und Fuge.

Später zeigte sich, dass ich besonders im Improvisieren glänzen konnte und daher kam ich in eine andere Orgelklasse. Der Lehrer dieser Klasse, Marcel Dupré, brachte mich in Spielender Messiaen meinem Können sehr weiter. 1929 bekam ich dann einen doppelten ersten Preis in Orgelspiel und Orgelimprovisation.

Ein weiterer wichtiger Lehrer war Maurice Emmanuel. Bei ihm studierte ich Musikgeschichte. Herr Emmanuel  beschäftigte uns viel mit altgriechischer Musik und Metrik. Außerdem brachte er uns das Harmonisieren von gregorianischen Melodien bei.

Auch in der Kompositionsklasse von Herrn Paul Dukas lernte ich viel und nahm einiges für mein Leben mit. 1930 erhielt ich dort meine letzten Preis  und verlies kurz darauf das Konservatorium mit einem zusätzlichen Diplom höherer musikalischer Studien.

Anschließend übernahm ich die Orgelposition in der Kirche La Trinté in Paris. Diese Position hatte ich 60 Jahre lang inne. Das Besondere daran war, das ich während der Messe auch meine eigenen Improvisationen einbringen konnte. Später aber wurde mir dies zu langweilig und ich schrieb all meine Improvisationen zu einem Werk mit dem Namen Messe de la Pentecôt.

Im Jahre 1932 heiratete ich die Geigerin Claire Delbos, ihr Spitzname war Mi, mit ihr bekam ich im Jahre 1937 unseren Sohn Pascal. Leider verstarb sie nach Jahre langem Nervenleiden 1959. Ich schrieb für sie den Vokalzyklus Poèmes pour Mi und einige Violinstücke.

1936 begann ich meine Lehrtätigkeit  an der École Normale de Musique de Paris. Dort unterrichtete ich Blattspiel am Klavier. An der Schola Cantorum unterrichtete ich Orgelimprovisation. Diese Tätigkeiten musste ich jedoch schon drei Jahre später aufgeben, da  ich zum Kriegsdienst berufen wurde. 1940 geriet ich in Gefangenschaft und verbrachte dort etwa neun Monate. Dort stelle ich das Quatour pour la fin du tempsfertig und führte dies mit anderen Lagerinsassen auf.

Als ich 1941 wieder nach Paris zurückkehrte, wurde ich zum Lehrer am Conservatoir ernannt. Dort unterrichtete ich die Schüler im Punkt Harmonielehre auf einem sehr hohen Niveau. Später bekam ich noch eine Analyseklasse zugeordnet.

Yvonne Loriod, meine zweite Ehefrau, die ich am 1. Juli 1961 heiratete, war Schülerin in meiner Klasse und war für mich eine sehr wichtige Interpretin. Sechs Jahre nach meiner Eheschließung mit ihr wurde ich ins Institut de France gewählt.

Ich wurde im Jahre 1971 mit dem Erasmuspreis und dem Wihuri-Sibelius-Preis ausgezeichnet.

Nach einem Kompositionsauftrag von dem Intendanten der Pariser Oper, Rolf Limermann, nahm meine Karriere ihren Lauf. Ich schrieb von 1975-1983 die Oper Saint François d’Assise. Diese Oper handelt von dem gläubigen Franz von Assisi, der Jesus Christus als Vorbild nahm und nach seinem Vorbild sein Leben gestaltete.

Kurz darauf erhielt ich einige Preise, zum Beispiel im Jahre 1977 den Léonie-Sonning-Musikpreis oder einen weiteren Preis im Jahre 1979 von der Freien und Hansestadt Hamburg den Bach-Preis.Olivier Messiaen im hohen Alter

Wenige Tage bevor die zweite Produktion von Saint François d’Assise bei den Salzburgern Festspielen aufgeführt wurde, starb Messiaen am 27. April 1992 in Clichy, Hauts-de-Seine.

Olivier Messiaen hat uns viele großartige kompositorische Werke hinterlassen. Er hat alles, was in interessiert und fasziniert hat, aufgenommen und in seine Werke mit eingebaut, was diese zu etwas völlig neuem und ihn deshalb zu dem wichtigsten französischen Komponist des zwanzigsten Jahrhundert, nach Debussy, macht.

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Quellen:[1]: Claude Samuel: Entretiens avec Olivier Messiaen; Paris 1986; Seite 12                        [2]: Claude Samuel: Entretiens avec Olivier Messiaen; Paris 1967; Seite 4

http://de.wikipedia.org/wiki/Olivier_Messiaen  ||   http://www.oliviermessiaen.org

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