Von Zeitempfindung und Rhythmik

Die Musik aber ist der wichtigste Teil der Erziehung: Rhythmen und Töne dringen am tiefsten in die Seele und erschüttern sie am gewaltigsten.
Platon

 Malerei verwandelt den Raum in Zeit, Musik die Zeit in Raum.
Hugo von Hofmannsthal

 Das Studium des Rhythmus muss mit dem Studium der Zeit beginnen                  Olivier Messiaen

Der Rhythmus ist für mich der Grund aller Dinge. Mit dem Rhythmus beginnt                         das Leben, mit dem Herzschlag.

                 Herbert von Karajan

 Wie so sauer wird Musik, so süß sonst, wenn die Zeit verletzt und das Verhältnis nicht geachtet wird! (König Richard)

William Shakespeare

Zeit & Rhythmus. Diese Begriffe stecken schon im Namen der Sinfonie: „Turanga“ kann man als „Zeit, die so schnell wie ein galoppierendes Pferd dahingeht“  oder auch als Bewegung und Rhythmus übersetzten. „Lîla“ bedeutet sowohl „Spiel“ als auch „Liebe“. „Turangalîla“ bezeichnet also eine Hymne an die Freude, einen Liebesgesang, aber auch ein „Spiel mit dem Rhythmus“.

Messiaen sagte einmal: „Das Studium des Rhythmus muss mit dem Studium der Zeit beginnen. … Ich erklärte meinen Schülern all die übereinandergeschichteten Zeiten, die uns umgeben … die verschiedenen Zeiten, die im Menschen zusammenleben, die physiologische Zeit, die psychologische Zeit … Vorher hatte ich mich mit den Gruppierungen der Silben und Verse in der griechischen Metrik beschäftigt, mit Arsis und Thesis in den gregorianischen Neumen, mit der Akzentsetzung bei Mozart und Debussy, mit der rhythmischen Abnutzung bei Beethoven, mit den rhythmischen Gestalten im „Sacre du Printemps“. Ich habe vor allem lange über … die Rhythmen der verschiedenen Provinzen des alten Indien nachgedacht und über ihren wunderbaren Reichtum an Gestalt und Ausdruckskraft.“

Speziell indische Rhythmen hatten es Messiaen angetan. Sie konnten die Liebe, die Freude, die Messiaen mit ihnen vermitteln wollte, am besten ausdrücken.

Besonders viel spielt Messiaen mit dem Rhythmus im „Chant d’amour“. In nahezu jedem bzw. jedem zweiten Takt wird die Taktart verändert:

Messiaen benutzt die vielen Taktwechsel, um die „Macht der Liebe“ hervorzuheben und zum Ausdruck zu bringen. Auch in Satz V gibt es auffällige „rhythmische Personen“: Ein bzw. zwei Rhythmen werden vorgegeben, ein weiterer kommt dazu und behält konstant seine Form:

Für Messiaen war die Zeit Grundlage für einen Rhythmus. Rhythmen sind wie übereinandergeschichtete Zeitempfindungen, so stehen die vielen Taktwechsel symbolisch für unsere verschiedenen Zeitempfindungen. Der eine empfindet die Zeit gerade als sehr schnell vorangehend, für den anderen vergeht sie zu langsam und für noch einen anderen läuft alles perfekt. Legt man diese verschiedenen Empfindungen  (= Rhythmen) übereinander, kann man Messiaens Werke ein wenig mehr durchschauen.

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